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" ... daß bei Menschenlebzeiten sich´s nicht wieder wird erholen können ... "


1618 - 1648

Osterode am Harz und seine Umgebung zur Zeit des
Dreißigjährigen Krieges



Ansicht der Stadt Osterode am Harz (aus: Renner, 1883)




Vor fast genau 400 Jahren brach in Böhmen, im heutigen Tschechien, ein Krieg aus, der über Jahrhunderte als "Krieg der Kriege" ins Gedächtnis der Menschen in Mitteleuropa, und ganz besonders in Deutschland, eingebrannt war. Noch lange danach lernten die Kinder von ihren Eltern das Lied: "Bet´, Kindlein, bet´, morgen kommt der Schwed´ "

Erst das unmittelbare Erleben der beiden Weltkriege und deren Folgen ließ die Erinnerung an diesen einen, den man später den "Dreißigjährigen" nannte, verblassen.

Ausgelöst durch den sogenannten "Prager Fenstersturz" im Jahre 1618 waren die nächsten drei Jahrzehnte durch eine bis dahin in diesem Ausmaß nicht gekannte "Verheerung" des Landes gekennzeichnet. Der Begriff "verheeren" stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet im Wortsinne soviel wie verwüsten, raufen, plündern. Und er bezeichnet genau das, was dreißig Jahre lang mit dem Zentrum Europas geschah. Es wurde geplündert, es wurde - teilweise im wahrsten Sinne des Wortes - ver-Wüstet.




Für die Menschen dieser Zeit, die Bevölkerung der Städte und der Dörfer, brachte der Krieg furchtbare Folgen mit sich:

Recht- und Schutzlosigkeit

Es gab keine Möglichkeit, sich an irgendeine übergeordnete Instanz zu wenden, um für erlittenes Unrecht entschädigt zu werden, oder sich im Fall einer Bedrohung Hilfe zu holen. Sogar Bitten an Grafen und Fürsten, angesichts der eigenen Notlage wenigstens von Steuern und Abgaben befreit zu werden, wurden zumeist abgelehnt. Die Landesherren hatten andere Sorgen als die Not ihrer Bevölkerung.


Armut und Hunger

Kriegssteuern an die Fürsten und Landesherren, erpresste Abgaben von Belagerern, Plünderungen von Söldnern und umherstreifenden Banden, ausgefallene Ernten, da niemand mehr die Äcker bestellte oder aberntete, führten zur Verarmung ganzer Landstriche. Ob die durchziehenden Truppen dabei zu den "Feinden" oder den eigenen "Verbündeten" gehörten, spielte dabei keine Rolle. Beide Seiten versorgten sich - fast immer - gewaltsam aus den Gebieten, in denen sie sich gerade aufhielten, und waren zudem bestrebt, dem jeweiligen Gegner keine Ressourcen zu hinterlassen. Damit blieb für die so Ausgeplünderten - nichts.


Kälte und Obdachlosigkeit

Höfe und Häuser, manchmal ganze Dörfer, wurden angezündet, teils, um dem nachfolgenden Feind "verbrannte Erde" zu hinterlassen, teils, um eigenen Forderungen nach Lebensmitteln oder Geld Nachdruck zu verleihen, weil sie Freude daran hatten, oder einfach aus Gleichgültigkeit - und auch Gewohnheit - der marodierenden Soldaten.


Krankheiten

An so etwas wie "medizinische Versorgung" war, besonders in Kriegszeiten, nicht zu denken. Erkrankungen oder kleine Wunden, die heutzutage problemlos behandelbar sind, konnten tödliche Folgen haben. Und sollte tatsächlich ein "Arzt" verfügbar gewesen sein, so führte oftmals gerade die "Behandlung" des Kranken oder Verwundeten eher zu einer Verschlimmerung. Dadurch, daß sich die Bevölkerung aus den ländlichen Gebieten häufig hinter die - vermeintlich sicheren - Mauern der befestigten Städte flüchteten, gab es für Infektionskrankheiten wie Typhus, Grippe, Ruhr und insbesondere die Pest, ideale Bedingungen: Viele Leute auf engem Raum, katastrophale hygienische Bedingungen, geschwächte, hungernde Menschen.


Vergewaltigung, Folter und Tod

Mädchen und Frauen waren sexuellen Übergriffen durch vorbeiziehende Truppen wehrlos ausgeliefert. Um vermeintliche - oder existierende - Verstecke von Lebensmitteln oder Wertsachen zu finden, wurden Bauern auf die verschiedensten Arten gequält und gefoltert. Ob die Täter dabei sozusagen "reguläre" Soldaten der kriegführenden Parteien - sprich Söldner -, versprengte Deserteure und Marodeure oder einfache Räuber und Banditen waren, spielte nicht wirklich eine Rolle. Mit zunehmender Dauer des Krieges verschwammen die Grenzen mehr und mehr. Auch die Soldaten froren und hungerten. Aber sie hatten die Waffen und fast immer die Übermacht. Und damit erpressten sie sich nach Zeiten des Mangels immer wieder kurze Momente des Überflusses. Ein Menschenleben zählte dabei nichts. Söldner, die sich schlecht bezahlt fühlten, versorgten sich selbst und plünderten für ihren Lohn. Oftmals war ihre ausgemachte Bezahlung eben die Beute, die sie machten. Nachschub? Proviant? Versorgung mit Lebensmitteln? Die Verpflegung der Truppen hatte aus der Region zu erfolgen, in der sich der Heereszug gerade aufhielt. "Der Krieg ernährt den Krieg".


Und schließlich: Angst!

Ein Leben in beständiger Angst davor, daß der nächste Weg der Truppen - und ihrer nachfolgenden Begleiter - eben gerade am eigenen Zuhause vorbeiführte.




Manche Regionen blieben von dieser Verheerung verschont, andere traf es umso härter. Und wieder. Und wieder...


Wie sah es im Bereich des südwestlichen Harzes und des Harzvorlandes aus?


In der allgemeinen heimatgeschichtlichen Literatur finden sich oftmals nur wenige Seiten, auf denen über diese Zeit berichtet wird. Die Quellenlage ist dabei eher dürftig. Manchmal werden kleine Begebenheiten beschrieben, zeitgenössische Aufzeichnungen zitiert oder Details über Pferde und Kühe erwähnt, die `requiriert´ wurden. Es werden Fürsten und Feldherren genannt und es wird gern allgemein von "Belagerung" und "Gefechten" geschrieben. Und natürlich, daß "geplündert und gebrandschatzt" wurde. Einzelne Steine eines Mosaiks. Was das Leben in dieser Zeit aber tatsächlich für die Bevölkerung bedeutete, steht oft nur zwischen den Zeilen. Ein Gesamtbild entsteht dann, wenn man die Teile zusammengefügt betrachtet.

Eine besondere regionale Gruppierung in dieser Zeit sind die sogenannten "Harzschützen". Dabei handelt es sich um Bewohner der Dörfer des südwestlichen Harzes und Harzvorlandes, die durch den Krieg ihre Häuser, ihre Höfe, ihre Familien verloren haben. Handwerker. Bauern. Sie bekämpfen die Soldaten. Die Söldner. Die Marodeure. Alle, die aus ihrer Sicht für ihre Verluste verantwortlich sind. Zunächst war Rache ihr Ziel. Anfangs kämpfen sie mit Unterstützung der übrigen Bevölkerung. Später verhalten sie sich nicht viel anders als die, die sie genau wegen dieses Verhaltens bekämpfen. Für die Bevölkerung sind die "Harzschützen" letztendlich nur eine weitere Gruppe unter den Kriegsparteien, die sie ausplündern und drangsalieren. Man nennt sie auch "Buschreiter", "Schnapphähne", "Freibeuter", "Landzwinger".




Eine Chronologie der Ereignisse:


1618

23. Mai: Der "Prager Fenstersturz" markiert den Beginn des Krieges


Der `Prager Fenstersturz´ (aus: `Wahrhafftige Zeitung´, Prag)


1621

Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, später auch der `tolle Halberstädter´ genannt (im Sinne von `verrückt´, `waghalsig´, `unberechenbar´), nimmt auf seinem Zug nach Westfalen mit seinem Heer in Katlenburg Quartier. Er kämpft auf protestantischer Seite. Um von Plünderungen verschont zu bleiben, zahlen ihm die eichsfeldischen Stände insgesamt 100.000 Taler. Das zum Erzbistum Mainz gehörende Dorf Berka erpreßt er um 200 Taler.


Katlenburg (nach Merian)


1622

Am 22. März zünden Söldner in Wulften mehrere Häuser, Scheunen und Viehställe an. Was nicht verbrennt, wird von den Soldaten geraubt.

1623

Am 8. Februar beschließen die Mitglieder des protestantischen Niedersächsischen Kreises in Braunschweig die Aufstellung einer Armee von 10.000 Mann. Kurz darauf, am 29. April, bewilligen die Grubenhagener Landstände bei einer Zusammenkunft in Osterode dafür eine Kriegssteuer, den "Hundertsten Pfennig".

Truppen des Herzogs Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel sind in den Dörfern des Amtes Stauffenburg einquartiert, beispielsweise in Badenhausen und Gittelde. Die Bauern sind verpflichtet, die Soldaten zu verpflegen, sollen dafür später jedoch entschädigt werden. Auch der Amtmann beteiligt sich an der Versorgung, indem er die Dörfer mit Brot, Hafer und "Mertzenbier" beliefert. Da es dennoch zu gewaltsamen Übergriffen durch die "Christianschen" kommt, wagen sich Einwohner befestigter Städte wie z.B. Osterode kaum hinter ihren Mauern hervor.

Von ihrem Lager in Duderstadt aus plündern und brandschatzen im Mai "Tilling´sche Reiter" die Umgebung. Im Bereich Northeim - Einbeck stehen ihnen die Truppen von Herzog Christian gegenüber. Beide Seiten plündern die Region aus. Auch die Wulftener Einwohner werden dabei mißhandelt oder ermordet. Einige der Überlebenden schließen sich dort den "Harzschützen" an. Namentlich genannt werden Valentin Lohrengel und Hans Schomburg aus Wulften. Aus Schwiegershausen ist Hans Fahlbusch dabei.

Im ersten Band des "Theatrum Europaeum" von Johann Philipp Abelin und Matthaeus Merian von 1635 findet u.a. Hattorf eine namentliche Erwähnung:


Berichte über Ereignisse im Eichsfeld und im Fürstentum Grubenhagen im Jahr 1623, Zerstörung des `Flecken Hattorpe´.



Die Rhume bei Katlenburg - Karte von 1617


Das Dorf Duhm bei der Katlenburg hat sich durch die Lage an einer im 15. Jahrhundert neu erbauten Straße, die durch das Tal der Ruhme führt statt wie früher über die Höhenzüge, zu einem schnell wachsenden Verkehrsknotenpunkt entwickelt. Von Northeim kommend erreicht man von hier aus über Lindau die `Thüringer (auch Nürnberger) Heerstrasse´ in Richtung Seesen, über Wulften und Hattorf hat man Anschluß an die `Nordhäuser Heerstrasse (auch Harzrandstrasse)´ Richtung Nordhausen, und über Berka, Dorste und Osterode kommt man zur `Alten Harzstraße´, die nach Clausthal und in den Oberharz weiterführt. In Friedenszeiten verheißt eine solche Lage Wohlstand und Wachstum. Im Krieg führt jeder Heereszug genau hier entlang. Mit dem Aufschwung in Duhm ist es damit nun vorbei.


Wichtige Wege und Straßen im südwestlichen Harzvorland


Tilly´sche Truppen, die sich im Unteren Eichsfeld aufhalten, überfallen und plündern auf Beutezügen Katlenburg mit dem Amtssitz auf dem Burgberg, Wachenhausen und Suterode. Am 25. Juni wird der Amtmann Johann Medem verschleppt und gefangengehalten. Auf eine fürstliche Beschwerde hin läßt Tilly ihn wieder befreien. Drei Soldaten aus einem spanischen Regiment, die sich beim Plündern durch besondere Grausamkeit hervorgetan hatten, werden auf seinen Befehl an einer Eiche am Katlenburger Amtsberg gehängt. Der Baum erhält im Volksmund den Namen "Spaniereiche".

Aufgrund der ständigen Plünderungen schreibt die Grubenhagener Herzogliche Landdrostei am 27. Juni einen Beschwerdebrief an Tilly, der sich zu diesem Zeitpunkt in Gieboldehausen aufhält. In seiner Antwort entschuldigt dieser das Verhalten seiner Truppen lapidar, daß "nicht allewege nach der Schnur steifer Disziplin" Krieg geführt werden könne.

Der Korporal Caspar Pflug vom Regiment des Herzogs Friedrich von Sachsen, einem Unterfeldherren Herzog Christians, gerät auf dem Weg in sein Feldlager beim Verlassen der Stadt Osterode mit einer Torwache in Streit. Es kommt auch zu Handgreiflichkeiten. Der Korporal meldet den Vorfall seinem Obersten. Dieser sieht die Vorkommnisse als eine Beleidigung des gesamten Regimentes an und fordert von der Stadt eine Bußzahlung in Höhe von 15.000 Talern! Der Osteroder Rat und der Bürgermeister bitten bei Herzog Friedrich um Entschuldigung und darum, die Strafe zu erlassen. Dieser besteht jedoch zunächst auf der Forderung - angeblich mit der Bemerkung, im Krieg würden nun mal andere Gesetze gelten. Nachdem die Stadtkämmerei von Osterode ihm jedoch 2 Fässer Wein und einen Becher mit 100 Golddukaten schickt, gibt es sich damit zur Erleichterung des Osteroder Rates auch damit zufrieden.

1625

Am 6. September bricht in Osterode die Pest aus. Bis 1626 sterben hier etwa 1300 Menschen. Die Hälfte der Einwohner der Stadt. Kurz innehalten - und noch einmal: Die Hälfte der Einwohner der Stadt!


Ob letztendlich der Krieg oder die Pest mehr Tote gefordert hat, ... für die Menschen zu dieser Zeit ist diese Frage nebensächlich.



Seite 306 aus dem Buch "Geschichte des Fürstenthums Grubenhagen" von Pastor Georg Max, 1863

Tilly´sche Soldaten quartieren sich nach der Vertreibung der protestantischen Truppen im Gebiet des Amtes Stauffenburg ein. Der Amtmann berichtet von `Kriegsgreueln´, bei denen Bauern unter der Androhung, ihre Höfe abzubrennen, um Lebensmittel, Vieh, Futter und Geld erpreßt werden.

Im Dezember bricht die Pest auch in Clausthal aus. Nach dem Totenregister im Kirchenbuch fallen über 1200 Einwohner dem "Schwarzen Tod" zum Opfer. 1626

In Hattorf fordert die Pest 377 Opfer, fast ein Drittel der Bevölkerung. In Pöhlde sind es 200 Tote, was ebenfalls etwa einem Drittel der Einwohner entspricht.

In den Eisenhütten von Riefensbeek und Camschlacken lassen dänische Truppen Geschützrohre gießen. Die Bedeutung der Hütten für die Rüstungsproduktion hatte 1625 auch schon Wallenstein erkannt und für sie einen Schutzbrief ausgestellt.

Am 18. März zieht Feldherr Tilly an der Spitze seines Heeres in Osterode ein. Da die Stadt zu diesem Zeitpunkt auf der kaisertreuen Seite steht, kommt es nicht zur Brandschatzung, sondern "nur" zu den "üblichen" Requirierungen, um die Armee und ihren nachfolgenden Troß zu versorgen. Schon am nächsten Tag zieht das Heer weiter in Richtung Harz.

Zwischen den beiden Oberharzer Bergstädten Clausthal und Zellerfeld verläuft eine politische - und damit in diesem Fall auch konfessionelle - Grenze. Während Clausthal auf kaiserlichem, katholischem Gebiet liegt, gehört Zellerfeld zu den Ländereien des Herzogs Christian von Braunschweig, der auf protestantischer Seite steht. Zum Schutz seiner Oberharzer Gebiete hatte dieser bei Zellerfeld eine Truppe von 350 Mann unter dem Befehl von Major Mütschefahl zusammengezogen.

Nun nähern sich von Süden katholische Truppen.

Der Geschichtsschreiber Leopold Honemann berichtet:

"Es war der 19te März des 1626ten Jahres, am Sonntag Lätare, als Tilly von Osterode herauf gezogen kam. Die Feldwache bei Heiligenstock wurde übern Haufen geworfen, und zu gleicher Zeit breitete sich das Geschrei, daß der Feind vorhanden, auf dem Zellerfeld allenthalben aus."

Angesichts der herannahenden, kampferprobten Truppen des berühmt-berüchtigten katholischen Feldherren, ziehen sich die protestantischen Soldaten trotz der Proteste der Zellerfelder Bevölkerung in Richtung Goslar zurück. Auch viele Zivilisten fliehen. In Clausthal angekommen befiehlt Tilly, daß jeder Clausthaler als Feldzeichen am Kopf ein Stück Tannenhecke tragen soll, um nicht versehentlich mit Bewohnern aus Zellerfeld verwechselt zu werden. Dorthin schickt er einen Unterhändler aus, um eine kampflose Übergabe der Stadt zu fordern. Bevor dieser seine Forderung vorbringen kann, wird er von einem Zellerfelder erschossen. Tilly erstürmt Zellerfeld. Obwohl keine Soldaten mehr in der Stadt sind, leisten doch einige Einwohner Widerstand. Besonders der Stadthauptmann und Fähnrich Thomas Merten legt dabei große Tapferkeit an den Tag. Es fällt schließlich nach vielen Verwundungen in einem aussichtslosen Kampf. Sogar bei seinem Gegner findet er Respekt für seinen Mut.


Der zentrale Platz in Zellerfeld trägt heute seinen Namen.



Gedenktafel für Thomas Merten an der St. Salvatoris Kirche.


Leopold Honemann schreibt:

"Ich weiß das Elend nicht kläglich genug zu beschreiben, welches sich allenthalben über die gute Bergstadt Zellerfeld ausbreitete. Von deren beängstigten Einwohnern wurden 46 bis 50 erschossen, unzählige andere Manns- und Weibspersonen aber verwundet und beschädigt. Viele flüchteten mit Weib und Kind theils in die Gruben, theils in die Wälder, allwo nachher eine Anzahl todt gefunden wurde, welche für Frost, Hunger und Kummer, auch an ihren empfangenen Wunden, umgekommen waren. Die Tillyschen Soldaten suchten sogar die sich im Walde verkrochenen armen Leute mit Spürhunden auf, die jedoch, wie verlauten wollen, gleichsam barmherziger als die Menschen gewesen seyn, und theils Leute, ohne sie durch Anschlagen zu entdecken, nur angerochen und in Ruhe gelassen haben sollen. Die Bergbeamten und andere Bediente wurden mit Fleiß ausgeforscht, um sie aus dem Weg zu räumen. Gleichwohl hatte nur der einzige Richter Berwardi das Unglück, daß er ohnweit der Bergstadt Altenau gefangen genommen wurde, und sich mit etlichen hundert Thalern lösen mußte, worauf er ebenfalls zu den anderen Bedienten nach Goslar flüchtete.
Mittlerweile wurde, unter Schlagen und Morden, die Bergstadt Zellerfeld durchgehends ausgeplündert, und dabei nicht verschont, sogar, daß die Tillyschen Kriegsleute aus den Kirchen den Altarschmuck wegraubten, die Pfarrkirche zum Pferdestall machten, und in der Ober- und Gottesackerkirche den Sarg, der kurz vor dem Einfall daselbst begrabenen ältesten Tochter des Predigers Cuppidus aufhauten, um zu sehen, ob dieser Leichnam Gold oder Geschmeide an sich habe. Allein das Ungeheuer der Tillyschen Verwüstung ist so groß, daß er mir fast selbst für dessen weiteren Beschreibung grauet."


Plan von Zellerfeld, 1604


Kurz nach der Erstürmung brechen in Zellerfeld Brände aus, die 33 Häuser vernichten.

Tilly nimmt Quartier in Clausthal und läßt seine Truppen nach Norden sichern.

Am nächsten Tag befiehlt er, auf der Bremerhöhe eine Feldschanze zu errichten, die er mit Palisaden und zwei - in Kamschlacken gegossenen - Geschützen verstärken läßt. Auch aus der näheren Umgebung - bis hin nach Herzberg - werden Arbeiter zum Ausbau der Schanze in den Harz befohlen.

Ein solcher Befehl ist vom Landdrosten Marquard von Hodenburg überliefert, der am 22. März von Osterode aus unter anderem an den Richter und den Rat von St. Andreasberg gerichtet wurde:

"Ihr wollet, bey Verlust eurer Privilegien auch Leib und Gutes, mit eurer Bürgschaft und Bergleuten es also verordnen, daß Nachbahr bei Nachbahr so bald uff seyn, sich auch 2 Tage proviantieren, und mit Spaten und Schaufeln uffn Clausthal gegen diesen Abend ohnfehlbar anlangen, und die 2 Tage über an mehr erwähnter Schantze arbeiten helffen."


Clausthal - Tilly-Schanze (Aufnahme vor 1916)



Hier ungefähr im Bereich des heutigen Parkes beim Mahnmal auf der Bremerhöhe befand sich die Schanze (Aufnahme von 2018)



Die Straße `An der Tillyschanze´ in Clausthal


4 Wochen lang hält sich Tilly mit seinem Heer im Oberharz auf. In dieser Zeit werden auch weitere Ortschaften der Umgebung, wie z.B. Grund, Wildemann und Lautenthal verwüstet. Dann bricht er von Clausthal aus auf, um Goslar einzunehmen.

Westlich von Wildemann, an einem Paßweg in Richtung Gittelde, haben protestantische Truppen eine Schanzanlage errichtet mit dem Ziel, die Bergstadt besser gegen Feinde verteidigen zu können. Sie ist trapezförmig angelegt und hat Schießscharten für die Geschütze. Tilly läßt sie bei der Zerstörung Wildemanns schleifen. Bis heute trägt sie seinen Namen.

Am 17. April, nach anderen Quellen am 12. April, stecken dänische Soldaten, die ihr Quartier in Northeim haben, auf dem Burgberg das Katlenburger Schloß und das Amtshaus sowie auch die Nebengebäude in Brand.


Die Katlenburg und das Amtshaus


Der Katlenburger Pastor Anton Berg schreibt dazu:

"Am 11.4. ... wurde während des Gottesdienstes das gute Schloss Catlenburg ganz unverdienter und feindseiliger Weise angefallen, die ganze Woche über geplündert und die erst von Grund auf erneuerte Orgel von einander gerissen. Die Pfeifen hat man mutwilligen Buben und Mädchen auf der Gasse zum Spielen gegeben. Darauf am 17. April 1626, es war der Montag nach Quasimodogeniti, ist das fürstliche Haus samt der schönen Kirche in Brand gesetzt und dermaßen verwüstet, daß letztere nich mehr eine Wohnung der Herrn Zebaoth geblieben ist, sondern allerhandt Tiere, als Wölfe, Eulen, Spatzen, Schwalben etz., zur Behausung gedient hat."


Stallgebäude, Domäne Katlenburg, 2018


Vermutlich am 24. Juni wird das Dorf Badenhausen durch Tilly´sche Soldaten überfallen.

Der Badenhäuser Pastor Johannes Lüdekind schreibt später über das Jahr 1626, daß "... weder Einnahme noch Ausgabe gewesen wegen Verheerung des Landes und Zerstörung aller Dinge durchs blutige Kriegswesen ..."


Ein Dorf wird `gebrandschatzt´.


Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg, zu dessen Regierungsbereich Schloß und Amt Herzberg gehören, gelingt es durch geschickte Politik, seine Stadt aus den Kriegswirren weitgehend herauszuhalten, indem er in günstigen Momenten jeweils die Seite wechselt. Als Truppen seines Verwandten, des Herzogs Christian von Braunschweig, von Northeim aus seine Ländereien im Eichsfeld bedrohen und teilweise sogar zerstören, hält er seinen Stammsitz, das Herzberger Schloß, für so gefährdet, daß er seine Wertsachen teils auf die Burg Scharzfels, teils zur Katlenburg bringen läßt. Seine Frau, Anna Eleonore, versucht er, ebenfalls auf dem Scharzfels in Sicherheit zu bringen, was jedoch wegen der Aktivitäten der `Harzschützen´ in diesem Gebiet scheitert.


Herzberg (nach Merian, 17. Jahrhundert - nach dem Krieg)


Anfang August hat Tilly nach längerer Belagerung Göttingen eingenommen. Sein nächstes Ziel ist die Eroberung der befestigten Stadt Northeim, die er von nun an belagern läßt. Am 5. August nimmt er sein Hauptquartier im Dorf Hammenstedt.

20. August

Bei Wulften sammeln sich die Truppen des Führers der protestantischen Reichsfürsten, Christian IV., des Königs von Dänemark. Sein Ziel ist es, die Vereinigung der katholischen Heere der Feldherren Wallenstein - im Raum Duderstadt - und Tilly - bei Angerstein - zu verhindern. Er setzt seine Soldaten in Marsch, erhält jedoch noch vor Ebergötzen die Nachricht, daß sich die feindlichen Heere bereits bei Göttingen zusammenschließen konnten.

24. August

Bei Esplingerode steht das Heer von Tilly mit 15.000 Mann Infanterie und 5.000 Reitern. 2 km nördlich davon, bei Bernshausen, halten die Truppen von König Christian IV., 12.000 Infanteristen und 6000 Reiter. Der Plan des Königs ist, einer Schlacht auszuweichen und sich nach Wolfenbüttel zurückzuziehen. So läßt er nordwärts marschieren, über Wollbrandshausen und Bodensee. Seit Tagen regnet es, die Wege sind aufgeweicht und der Heerzug kommt nur langsam vorwärts. Zwischen Bilshausen und Lindau wird die Rhume überquert, bei Wulften die Oder. Die Brücken über die Oder und Rhume, bei Wulften, Lindau und Katlenburg, werden zerstört. Dann läßt der Dänenkönig sein Heer halten. Die Infanterie steht etwa zwischen Wulften und Berka, die Kavallerie hat bereits Dorste und Nienstedt erreicht, einige Einheiten sogar Eisdorf. Tilly zögert, den Feind zu verfolgen.

25. August

Es hat aufgehört zu regnen. Am Morgen beginnt Tilly nun doch mit der Verfolgung des protestantischen Heeres. An der Oder jedoch kommt der Vormarsch aufgrund der zerstörten Brücken ins Stocken. Bei Wulften, dem am schwächsten verteidigten Übergang, gelingt Tilly im Laufe des Tages der Bau einer Behelfsbrücke. Aufgrund der einbrechenden Dunkelheit können die Truppen jedoch nicht mehr übersetzen. Christian IV. nutzt diesen Tag nicht für den weiteren Rückzug, sondern begnügt sich damit, die Stellungen des Vortages zu verteidigen und zu halten. Erst um Mitternacht setzt er seine Soldaten weiter in Richtung Seesen in Marsch.

26. August

Die Nachhuten der protestantischen Truppen setzen die Dörfer Albrechtshausen, Dorste, Nienstedt, Förste und Eisdorf in Brand, um dem Feind den Vormarsch zu erschweren. Dieser nimmt am Morgen die weitere Verfolgung auf. In Nienstedt verbrennen die Kirche, das Pfarrhaus, die Schule, sowie 9 von 19 Wohnhäusern. Der Nienstedter Pfarrer, Johannes Viselius, flüchtet mit seiner Familie nach Osterode. Dort sterben drei seiner Kinder an der Pest, ebenso wie der ebenfalls geflohene Küster und auch der Lehrer von Nienstedt.


Seite 307 aus dem Buch "Geschichte des Fürstenthums Grubenhagen" von Pastor Georg Max, 1863



Das brennende Nienstedt


Südlich von Seesen kommt es in einem Engpaß nahe der Stauffenburg zu einem Gefecht zwischen Tillys Vorhut unter Nikolaus Graf Des Four und 600 Dänen, die dort, unterstützt durch zwei Geschütze, versuchen, den Vormarsch der `Kaiserlichen´ zu stoppen oder doch wenigstens entscheidend zu verlangsamen. Die Dänen werden fast gänzlich aufgerieben.


Die Stauffenburg (nach Merian)


Der Chronist Heinrich Wendt aus Osterode berichtet dazu:

"Es hatte sich der König am 16. (26!) Augusti in aller früh fortgemacht, deme folgeten die Tillischen sogar geschwinde, daß der König den Paß bey der Stauffenburg im Heinrichs Winckel hinter sich mit etzlichen Hundert Man unter dem Haubtman Adam Freyherrn Zu Hodiriara vnd 200 Dragounern besetzen muste, umb des Feindes Vortrop auffZuhalten, Welches Sie aber nicht lange thun konten. Der Hauptman wird gefangen Und bekommen die Tillischen 2 halbe Carthaunen, so die Dennemarckischen hatten stehen laßen. Der Flecken Gittelde wird von denn Kaiserlichen gantz abgebrandt. Viele Dennemarckische hatten sich in der Stadt Osteroda Verspätet, dieselbe wurden von den Tillischen niedergemachet oder gefangen genommen."

Vergeblich versuchten die Dänen, deren Heer außer vom König selbst auch von dem ehemaligen kaiserlichen General Fuchs von Bimbach befehligt wurde, die Vereinigung Tillys mit den drei Reiter- und zwei Fußregimentern unter Des Fours, insgesamt etwa 4.500 Mann, zu verhindern.

27. August

Die Schlacht bei Lutter am Barenberge

Um Osterode beginnen die "Harzschützen" Angst und Schrecken zu verbreiten. Die bekanntesten von ihnen sind Lorenz Dieckmann aus Badenhausen, Hans Stats Sötefleisch aus Neuhütte sowie Hans Warnecke aus Eisdorf, der als "Hans von Eisdorf" berühmt wird. Als befestigte Stadt ist Osterode vor dem Treiben der "Schnapphähne" gut geschützt - und gerät deshalb bei den kaiserlichen Generälen in Verdacht, mit ihnen zu paktieren. Am 16. November erläßt die Osteroder Landdrostei - wohl auch, um diesen Verdacht von sich zu weisen - strenge Haftbefehle gegen die "Harzschützen".

1627

Für die Jahre 1626 und 1627 werden die Verluste durch Kontributionen - erzwungene Abgaben an durchziehende Truppenverbände in Form von Getreide, Heu, Pferden, Vieh - für das vergleichsweise kleine `Stadtdorf´ Ührde mit 1728, nach anderer Quelle 1758, Reichstalern angegeben. Eine ungeheure Summe, wenn man den Gegenwert bedenkt: Ein Pferd wird mit 15 Talern bewertet, eine Kuh mit 10 und ein Schwein mit 2 Talern. Von einer verwitweten Einwohnerin ist aufgezeichnet, daß allein sie in diesen beiden Jahren 16 Pferde und 14 Kühe abgeben mußte, der Bauer Andreas Engelhard verliert 15 Pferde und 10 Kühe. Es wird auch berichtet, daß durch den mutwilligen Durchstich von Teichdämmen eine Zucht von Karpfen vernichtet wurde.

Aus den Aufzeichnungen des Predigers Mennecke im Kirchenbuch von Wulften:

"Plünderung Wulftens am Osterabend 1627. Seit dem Stillen Freitag ist keine Schutzwache anwesend. Dieses wird von der in Holtensen und Dorste liegenden `Reuterei´ ausgenutzt. Mit vielen Wagen fallen sie ins Dorf ein. Sie stehlen alles erreichbare Heu, Pferde, Kühe und anderes Vieh, womit sie abziehen. Einige Reiter zogen nicht sogleich wieder mit ab. So wird einer davon am Freitag vor Jubilate, bei nachtschlafender zeit, von den in der Stille eindringenden Freibeutern überfallen und erschossen. Seine Pferde werden mit allen möglichen Behängen, auch Kleidern, als Beute mitgenommen. Daraufhin fällt am folgenden Sonntag um 12 Uhr eine `ziemlich starke Reuterei´ ein, um den Toten zu holen. Erneut wird geplündert und auch `etzliche´ Gefangene gemacht, die man bald wieder ohne Lösegeld laufen läßt. Danach kommen andere Reiter aus `Mißlings Morgen´ (Teich und sumpfiges Gelände bei der Ölmühle) heraus, schwenken jedoch wieder, wobei sie im bodenlosen Sumpf und im Wasser versaufen. Sie werden in Hattorf begraben. Am Abend desselben Sonntags befinden sich zwei wandernde Schneidergesellen mit `Feuerrohren´ auf dem Wege von Wulften nach Dorste. Sie werden von `Reutern´ angetroffen, die der Meinung sind, auf Freibeuter gestoßen zu sein. Die Schneidergesellen werden gemartert und erschossen."


Marodeure (Zeichnung von Hans Ulrich Franck)


Die Einwohner Wulftens fliehen nach Hattorf und Osterode. Erst im Juni kehren sie zurück.

Nach einer anderen Quelle finden diese Ereignisse bereits im Jahr 1626 statt.

Die Aktivitäten der "Harzschützen" gegen seine Soldaten reizen den Feldherrn Tilly so sehr, daß er droht, die am westlichen Harzrand gelegenen Dörfer durch Feuer zu vernichten, da er weiß, daß viele dieser "Freibeuter" aus dieser Region stammen und seiner Ansicht nach auch von dort Unterstützung erfahren. Während der Belagerung von Northeim findet er Zeit, sich um diese Angelegenheit zu kümmern.

Am Himmelfahrtstag läßt er den Ort Gittelde bis auf wenige Häuser niederbrennen, weil die "Harzschützen" dort angeblich Unterschlupf erhalten haben sollen. Der Bauer Hille schreibt dazu: "Nach dem verschienen Himmelfahrtßtage ist mir mein hauß beneben etzlichen 80 Wohnheusern ohne hindergebeu Scheunen und Stellen zu Gittelde : Gott sey es geklaget : wegen der Schützen in die Asche gelegett worden".

Unter der Überschrift "Nordheim von den Tillischen belägert und erobert" berichtet das "Theatrum Europaeum" von Johann Philip Abele und Matthäus Merian ab Seite 1095:
"Under diesem Verlauff ist Nordheim so bißhero allein blocquirt gewesen, von dem Graffen von Fürstenberg mit Ernst angegriffen, mit vielen Schantzen umblagert und starck beschossen worden. Welchem nach den 27. Junij zween Anfäll darauff geschehen: aber die Belägerte haben sich so tapffer gewehret, daß die Tillische mit zimlichen Verlust weichen müssen. Als nun gedachter Graff von Fürstenberg hierauff den zweyten Julij einen General Sturmb angestellet, haben sich die Belägerte zu einem Accord erbotten: so jhnen aber, weil sie sich bißhero dermassen widersetzlich erzeigt, abgeschlagen worden. Wie sie nun zum zweytenmahl auff Kriegsgebrauch zu accordiren begehrt, aber gleichfalls nichts erhalten können, haben sie dem Graffen von Fürstenberg durch einen Trompetter ein Schreiben uberschickt - Innhalts; weil man jhnen den Accord wider Kriegsgebrauch verweigerte, wolten sie als ehrliche Soldaten biß in den Todt fechten und wie Helden sterben: wer den Kopff bekomme, möchte den Bart scheren. Dessen aber ungeachtet ist der von Fürstenberg auff seinem Vorhaben geblieben und sein Volck den 5. Julij den gantzen Tag stürmen und mit gantzer Macht anfallen lassen: aber die Belägerten haben sie mit grosser Furj und Tapfferkeit abgeschlagen, also daß deß Graffen Wachtmeister 6. Capitain, 8. Fendrich und etlich hundert Soldaten todt geblieben und 9. Capitain neben andern Officirern und in 500. Soldaten hart beschädiget worden. Bey so gestalten Sachen haben die Tillische gegen Abendt an die Belägerte einen Stillstandt begert, damit die Todte abgeholet und begraben, auch die Verwundte curirt werden köndten: aber die Belägerten wolten nun auch nicht / sondern zeigten den Tillischen an / weil man jhnen kein Quartier begerte zu geben / müste man sich zwagen, weil die Laug warm were; dahero sie auch deß Nachts außgefallen und die Todten in den Gräben besucht und außgezogen, auch was noch gelebet, vollends nidergemacht. Als nun die Tillische jhre Resolution gemercket, ist jhnen der Lust zu fernerm Stürmen vergangen, vornemlich dieweil sie auch Nachrichtung bekommen, daß die Belägerten den Kirchhoff starck verschantzt hetten und derselb ohn grossen Verlust deß Volcks nicht uberwältiget werden möchte, wann schon die Statt mit ebenmässigem Verlust solte gewonnen werden. Dahero der Graff von Fürstenberg auff ein andere Meynung gebracht worden einen Trompetter zu jhnen hineyn geschickt und einen Accord angebottë, weil sie sich wie redliche Soldaten gehalten und ritterlich gefochten hetten. Die Belägerten haben sich nicht lang darauff bedacht, sondern weil es jhnen auch an Proviandt gemangelt und sie sich keines Entsatzes zu getrösten gehabt, solch Anerbieten angenommen. Jhrer sind vier Compagnien, welche mit Sack und Pack, fliegenden Fahnen, brennenden Lunten, Kugeln im Mund, abgezogen und biß an Wolffenbüttel convoyiret worden. Hierauff hat die Bürgerschafft den Graffen von Fürstenberg im Nahmen Jhrer Keyserl. Majest. wie auch jhres Lands Fürsten den gewöhnlichen Eydt geleystet und die Statt mit hundert Soldaten besetzt worden."

Nachdem Northeim am 6. Juli kapituliert hat, ist Tilly entschlossen, seine Drohung, die Dörfer des Westharzes im Flammen aufgehen zu lassen, in die Tat umzusetzen. Eine Versicherung Friedrich Ulrichs, des Herzogs von Braunschweig, er werde selbst gegen das `Gesindlein´ vorgehen, läßt Tilly von seinem Vorhaben Abstand nehmen. Allerdings sind die angerichteten Verwüstungen auch so schon schlimm genug:

Herzog Friedrich Ulrich schreibt in einer Klageschrift zu den Zerstörungen und Verwüstungen seiner Ländereien:

"Das Kriegsvolk des Generallieutenants Graf Johann von Tilly hat meine armen Untertanen, die ohne das die vorigen Jahre her ganz erschöpft, feindseliger Weise urplötzlich ungewarneter Sachen und wie ein Wetter überfallen, die armen, wehrlosen Leute überrascht, in ihren Häusern, auf den Wegen in Holz und Felde, mit Weib und Kindern erbärmlich niedergehauen, zermetschet, darunter der Sechswöchnerinnen, Kindbetterinnen, und kleinen Kindern nicht verschonet, deren etliche den Müttern an den Brüsten getötet, den Priestern, die sich vor ihnen nicht verstecken können, unsäglichen Schimpf und Marter angetan, teils totgeschlagen, darunter auch armer lahmer Krüppel in den Spitalen nicht verschonet,sondern dieselben greulicher Weise gemartert und getötet, auch einem Weibsbilde (welches und alles andere mit lebendigen Zeugnissen zu beweisen) die Zungen aus dem Halse gerissen, anderen die Zunge im Munde gespaltet, anderen härene Stricke um die Köpfe gewunden, überstark zugewiegelt und durch solche Marter, wo sie Geld vergraben hätten, befraget; Aemter, Klöster, Städte, adelige Häuser, Flecken und Dörfer ganz ausgeplündert, Kisten, Kasten, Schäppe und alles aufgehauen, alle Pforten, Fenster, Stühle, Bänke und ander Hausrat zernichtiget, aus- und entzweigeschmissen, was an Fleisch, Butter, Käse, Eiern und anderen Viktualien vorhanden gewesen, wenn sie sich damit gefüllet gehabt, in den Kot getreten, den Fässern mit Wein, Mehl, Bier, Broihan und anderem Getränke den Boden aufgeschlagen und auf die Erde laufen lassen. Die Kirchen, Kapellen und Armenkasten aufgebrochen, denKirchenvorrat an kelch, Patenen und Monstranzen, Meßgewand, heiligem Zierat neben allem andern, so darin befunden, herausgeraubt, die Altar- und Taufsteine profanieret, mit ihrem Unflat verunreiniget, die Meßbücher zerrissen, in die heilige Bibel und andere Bücher salva venia gehofieret, die Flügel der Altäre, Orgeln und Kirchenstände entzweigehauen, die Gräber eröffnet und durchsuchet, das Kupfer und Blei von Kirchtürmen abgedecket und weggenommen, etliche schöne Bibliotheken verbrannt, ehrbare Frauen und Jungfrauen genotzüchtiget, auch auf offener Straßen dessen sich nicht gescheuet noch geschämet, ja auch etliche auf den toten Körpern ihre Schande getrieben, auch also, daß etliche darunter des Todes worden, ganze Flecken und Dörfer ausgebrannt und in die Aschen geleget; die Leute im Felde und bei ihren Arbeiten niedergehauen, daß sie kein Korn einbringen, sondern alles im Felde (woraus unmenschliche Hungersnot zu besorgen) stehen lassen müssen; die armen Leute in den gehölzen, dahin sie sich zur Rettung ihres und ihrer Weiber und kleinen Kinder bloß überhaltenen Lebens retiriret, gleich den wilden Tieren verfolget und niedergemetschet, womit dann bishero täglich ( unangesehen der Herr General vorgibt, daß es wider seinen Willen geschehen) dermaßen continuiret, daß der größere Theil meines Landes über 12 Meilen Weges ind der Länge und zu 6 und 7 in der Breite ganz und dermaßen ruiniret, daß bei Menschenlebzeiten sich´s nicht wieder wird erholen können."


Bauer vor seinem brennenden Haus


Als "Antwort" auf die Haftbefehle Osterodes aus dem Jahr 1626 schickt eine der "Freibeuter"-Banden der Stadt einen "Fehdebrief". Der Osteroder Bürger Andreas Segelken wird von ihnen bei Lasfelde ermordet. Auf Befehl des Grafen von Fürstenberg besetzen die Osteroder daraufhin ihre Warttürme und holzen die Büsche darum ab, um freies Schußfeld zu bekommen. Diese Maßnahmen sowie eine von Tilly angebotene Amnestie für Freischärler, die von ihrem Tun ablassen, sorgen dafür, daß sich die "Harzschützen" gegen Ende des Jahres aus der Gegend um Osterode zurückziehen. Eine Ausnahme davon ist:

Hans Warnecke, auch bekannt und berüchtigt als "Hans von Eisdorf"!


Der Osteroder Chronist Heinrich Wendt, Stadtschreiber und späterer Bürgermeister, schreibt dazu:

"Es haben auch diese Schützen FeindeBrieffe an die Stadt geschrieben, darauff auch am PfingstMontag 1627 einen Bürger Nahmens Andreas Segelkcken von der Stadt hinweggenommen vnd denselben jämmerlich ermordet. Des Mitwochens in den H[eiligen] Pfingsten seind sie mit fliegenden Fähnlein über der Freyheit uff einen Hügel gerücket Und haben Bier, Brodt und Wein aus der Stadt abverlangen laßen. Jm Uffbruch aber sich feindlich beZeiget, Kühe vnd Schaff, Vieh und Pferde mitgenommen. Die Bürgere seindt außgefallen, haben Jhnen das Vieh wieder abgejaget und einen Von den Schützen, von Echte bürtig, gefangen mit weggenommen. Nach übergebung der Stadt Northeimb ist der Kaiser[liche] Commissarius Johan Moller[17] vor Einbeck bey dem Huefethurn von den Schnaphanen beraubet, welches dan Veruhrsachet, daß der Graff von Fürstenberg Zwey Compagn[yn] uff dem Huefethurn gelaßen, Welche von den Städten Einbeck vnd Osteroda verpfleget werden müßen. Jedoch ist solche Besatzung uff Vielfältige Bitte und gegen Revers der Städte Eimbeck und Osteroda, daß Sie, respective jhre Wartthürmer, selbst besetzen vnd den Schnaphanen kein Vorschub thun, sonderlich aber die Von Einbeck die Verfügung schaffen wolten, daß das Buschholtz umb die Huefethurn ringsherumb einen Mußqueten Schuß lang ab- und niedergehawen werden solte, hinwieder abgeführet. Geschehen im Monath Decembri 1627. Bey solcher Abführung hat auch der General Tilly von den beeden Städten Einbeck und Osteroda 4.000 Th[a]l[er] begehret Und sich daneben erkläret, daß Sie alßdan hinfürters mit weitern Contributionen verschonet bleiben sollten.“

Auch aus Badenhausen kommen etliche der "Harzschützen", auch `Rädleinführer´, was den Tilly´schen Soldaten bekannt ist. Die Besatzer richten einen derartigen Schaden im Dorf an, daß Pastor Lüdekind notiert:

" ... ist wegen beharrlicher Fortsetung des gefehrlichen Kriegswesens und Verhinderung des Gottesdienstes keine Einnahme und Ausgabe gewesen, weillen das Land keine Früchte getragen."

28. August

Der Amtmann von Herzberg verhaftet die "Harzschützen" Valentin Lohrengel und Hans Schomburg aus Wulften. Ihre Beute sollen sie an die Zigeuner von Wulften und Förste verkauft haben.

Bittbrief des gefangengenommenen `Harzschützen´ Hans Stats Sötefleisch aus Badenhausen an den Oberbergverwalter in Zellerfeld.
Die Bitte wird erhört. Der Oberbergverwalter verbürgt sich für Hans Sötefleisch und dieser entgeht dadurch der Hinrichtung.


1628

Direkte Kriegshandlungen zwischen feindlichen Heeren gibt es in dieser Zeit in südwestlichen Harz und seinem Vorland nicht, allerdings sorgen durchziehende Heere und Einquartierungen dafür, daß von dem Wenigen, was die Menschen in der Region zum Leben haben, nur ein Bruchteil für sie selbst zum Über-leben übrig bleibt.

Eine Amtsrechnung des Amtes Stauffenberg beschreibt die Zustände:

" ... so sind doch die armen Leute itzo gantz verarmet und überall auff Bahdenhaußen noch verbrennet ... "

Die Äcker liegen noch "wüste" und die Gärten sind vom Kriegsvolk "gantz entödet".

Pastor Lüdekind schreibt:

"Von Land und Wiesen hat die Kirche nichts eingenommen, weil durch die Meuse alles ist verderbet und verheret worden."

Trotz eines Schutzbriefes des kaiserlichen Feldherren Wallenstein werden auch die eisenverhüttenden Orte an der Söse vom Krieg nicht verschont. In einer Akte heißt es von dem Oberhütter Hans Oppermann, daß "sein Haus und Hof sowol als Antheil der Hütte leider in diesem Zustand verbrandt ist, in die Asche geleget und verfallen".

1629

Für die Dörfer Eisdorf, Nienstedt und Förste, zum Amt Herzberg gehörig, wird ein `Schatzschreiber´ beauftragt, die Besitzverhältnisse der Bevölkerung einzuschätzen, um danach die Schatzung, eine Art Besitz- und Vermögenssteuer, festlegen zu können. Die Antwort dieses Schatzschreibers an seinen Dienstherren ist erhalten:
"Aller Leute Mobiliar, Kleider, Hausgemach, Pferde, Kühe, Schweine, Schafe, Früchte auf den Feldern, Häuser, Scheunen, sei von den Soldaten weggenommen und verheert. Sondern noch dazu Eißtorff und Nienstedt sampt Kirche und Schule ganz zu Grunde gelegt. Daß auch davon weder der geringste Stock in Eißtorff stehen geblieben. Auch zu Förste der Dritteteil abgebrannt und in die Asche jämmerlich gelegt, dazu noch die dies Jahr ausgestellten Früchte von Mäusen abgezehret und verheeret worden. Das dadurch jedermann in diesen ortschaften an den Bettelstab und äußerste Armuth geworden. Davon auch viele ins Elend gangen, Ihre Äcker liegen, die Dörfer verlassen. Und zu anderen Lande gegangen und davor Brodt vor den Türen gesammelt. ... Der Schatzschreiber bitttet den Landdrosten zu Osterode: Die jetzt geforderte Schatzung, wegen der noch wenigen vorhandenen Leute und der Zustände halber aus Gnaden zu erlassen. Damit die noch wenig übrigen Dienstfreien Arme Leute ... mit Weib und vielen Armen Unerzogenen Kindern das Leben ertragen mögen.

9. Januar 1629.

Vorstand und ganze Gemeinde der Dorfschaften Förste, Nienstedt und Eißtorff."

Nachdem die Dorfschaften Dorste und Wulften seit zwei Jahren keine Schatzung mehr entrichtet haben, verlangt der Amtmann von Herzberg nunmehr sofortige Zahlung. Auch hier sehen sich die Dorfbewohner außerstande, dieser Forderung nachzukommen, und wenden sich mit einem Bittgesuch auf "Dilation", Zahlungsaufschub, an ihren Fürsten:

"Dem Hochwürdigen Durchlauchtigsten und Hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Christian, Erwählten Bischof des Stifts Minden, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, unserem gnädigen Fürsten und Herrn. Unsere untertänigen, schuldigen und gehorsamen Dienste jederzeit zuvor, gnädiger Herr und Fürst. Ehrwürdigem Fürstbischof können wir armen Leute in Untertänigkeit zu berichten nicht unterlassen, wie wir deroselben Schatzung, die seit zwei Jahren rückständig geblieben, derowegen wir von dem Amtmann in Herzberg hart gedrungen werden, diese `itzo´ einzuzahlen, abzutragen gedenken. Obwohl wir uns schuldig betrachten, diese einzahlen zu müssen, können wir armen Leute das nicht. In beiden Dörfern haben wir fünfundzwanzig Kriegsdurchzüge und und etzliche Nachtlager gehabt, ohne was sonst die `Schapphahnen´ uns zugefüget. Dadurch wurden wir, Gott erbarme es, zugrunde gerichtet und um das Unserige gebracht, so daß wir nicht zehn, geschweige etzliche hundert Thaler aufbringen kunnen. Ja, wir kunnen meistenteils das liebe truckene Brot nicht haben. Das, was wir furm Jahr mit gutherziger Leute Hülfe ausgesäet, ist uns von den Mäusen und Schnirken verderbet. Überdas sein uns im verschiedenen Jahr in unseren Dörfern fast alle Pferde gestorben, dahero wir den Acker, wie sich gebühret, abermals nicht bestellen kunnen. Unser betrüblicher Zustand ist dem Amt `Herzperk´ und der Fürstlichen Regierung bewußt. Dahero und aus angeführten zugefügten Schäden wir die Schatzung, wie gern wir auch wollten, nicht `erlegen´ kunnen. Ehrwürdigem Fürstbischof bitten wir untertänig und um Gottes Willen, unser erneut Jammer und Not in Gnaden der rückständigen Schatzung, vom nächstkünftigen Michaelis an gerechnet, ein Jahr `Dilation´ gnädiglich zu geben. Alsdann wollen wir mit göttlicher Hilfe dahin trachten, daß wir dieselbe dankbarlich abgetragen. Indem wir um solches gebeten haben, Ehrwürdiger Fürstbischof, getrösten wir uns in aller Untertänigkeit und sein deroselben über schuldige Gebühr Tag und Nacht zu dienen bereit. Ehrwürdigem Fürstebischof samt dem hochlöblichen Hause Braunschweig und Lüneburg langwährende Gesundheit und Glück zur friedlichen Regierung.

Dorste, den 7. Aprili 1629.

Ehrwürdigem Fürstbischof untertänige und gehorsame `Einwöner der beiden Dörpschaften Wulften und Dorste`."

Dem Bittgesuch wird nicht stattgegeben.

1630

Für Badenhausen ist der Durchmarsch des Pappenheimschen Regiments bezeugt.

1632

Mit dem Eintritt des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf in den Krieg ändert sich auch im südwestlichen Harz die Lage, u.a., weil sich Herzog Friedrich Ulrich nunmehr auf dessen Seite schlägt. So flüchtet sich beispielsweise die Bevölkerung des Dorfes Badenhausen hinter die Stadtmauern von Osterode, da die Schikanen der kaiserlichen, zur Zeit mal wieder verfeindeten, Truppen, die Menschen diese Feindschaft spüren lassen. Mitgenommen in die Stadt haben sie den `Silbernen Löwen´ der Schützengesellschaft, der jedoch später bei der Belagerung durch Graf Merode eines der `Kleinodien´ ist, das der kaiserliche General als Preis für die Aufhebung seiner Belagerung der Stadt Osterode erpresst.

Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar, General der schwedischen Truppen unter König Gustav II. Adolf, nimmt am 17. Februar Duderstadt ein und kämpft im Harzvorland gegen kaiserliche Einheiten. Dann wird er vom Schwedenkönig nach Franken abbefohlen, so daß die katholische Liga im südwestlichen Harzvorland wieder erstarkt.

Im März erkaufen sich die Osteroder von Graf Gottfried Heinrich von Pappenheim, General unter Albrecht von Wallenstein, zunächst die Gnade, nicht geplündert zu werden. Dafür verlangt er eine Tributzahlung in Höhe von 10.000 Talern. Vom Fürstentum Grubenhagen fordert er zusätzlich eine wöchentliche Zahlung von 2.000 Talern.

Die Osteroder sehen sich nicht in der Lage, die Forderung zu bezahlen.

Am 12. Oktober desselben Jahres rückt deshalb Graf Johann II. von Merode im Auftrag von Pappenheims mit 8 Regimentern vor die Osteroder Tore, richtet vier Geschütze und zwei Mörser auf die Stadt, und fordert nunmehr 40.000 Taler. Ansonsten droht er damit, Osterode plündern und in Brand stecken zu lassen.



Plan der Stadt Osterode


Am nächsten Tag erweitert er seine Forderung. Er verlangt acht Wagen, die jeweils mit sechs Pferden bespannt sein sollen und von je zwei Knechten begleitet werden. Die Bauern, die sich in die Stadt geflüchtet haben, sollen sich an einem Sammelplatz einfinden. Ansonsten drohe ihnen die Todesstrafe. Diejenigen, die auf der Seite der schwedischen Truppen gedient haben, sollen angezeigt und in Haft genommen werden. Außerdem fordert er die Herausgabe von Gold, Silber, Geld und `Kleinodien´, alles, was sich in der Stadt befindet. Und von alledem solle ein `Verzeichnis´ erstellt werden.

Der Osteroder Rat zeigt sich sehr bestürzt über diese Forderungen. Man versucht, den Grafen durch besonders demütiges und unterwürfiges Verhalten milde zu stimmen und schickt sogar die Osteroder Schulkinder, sich paarweise an den Händen fassend, zu ihm hin, um um Gnade zu bitten. Vergebens.

Als die Ratsmitglieder darum bitten, sie und die Bürger mit ihren Familien unbeschadet aus der Stadt ziehen zu lassen, lehnt Merode auch dieses ab und läßt stattdessen Magistratsmitglieder und Geistliche in der Freiheiter St.Johanniskirche einsperren.



Zeichnung der Kirche St. Johannis, Hans Erich Giebel


Die Bauern aus dem Umland, die sich in die Stadtmauern geflüchtet hatten, kommen dem Befehl nach und versammeln sich. Von ihnen verlangt Merode unter Todesandrohung die Zahlung von insgesamt 6.000 Talern und verleiht seiner Forderung auch durch Folter Nachdruck. Nachdem er dann irgendwann einsieht, daß trotz seiner Drohungen und Quälereien bei diesen Menschen nichts zu holen ist, läßt er die Bauern frei.

Der Rat erreicht durch inständiges Bitten schließlich, daß sich Merode mit einer sofortigen Zahlung von 8.000 Talern in Gold, Silber und Münzen zufriedengibt. Außerdem wird ihm versprochen, daß der Rat Innerhalb der nächsten 14 Tage weitere 4.000 Taler aufzubringt, um damit die Gefangenen auszulösen.

Die ungeschützten Osteroder Vorstädte - Marien- und Johannisvorstadt - werden dennoch schwer verwüstet und geplündert. Und auch in der Stadt selbst werden Bürgerhäuser, die Kirchen und auch das Amtshaus beraubt. Besonders auf Woll- und Leinentuch, sowie auf Pferde, Wagen und Lebensmittel haben es die Plünderer abgesehen.

Am Morgen des 16. Oktobers ziehen die Truppen des Grafen von Merode weiter in Richtung Duderstadt, um sich wieder mit dem Heer von Graf von Pappenheim zu vereinigen.



Hier finden sich Fotos von Originaldokumenten aus dem Osteroder Stadtarchiv.


1633

Truppendurchzüge und Einquartierungen von Söldnern und deren Folgen wie Abgaben und Diebstähle haben für das Dorf Badenhausen zur Folge, daß abermals die Äcker nicht bestellt werden können. Der Bauer Barthold Römermann wird, "... so von den Soldaten erstochen ...", am 28. Dezember 1633 begraben.

1634

Nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen trennt sich Herzog August von Wolfenbüttel-Braunschweig von seinem vormaligen Verbündeten und beschließt eine `bewaffnete Neutralität´, was zur Folge hat, daß die Regionen unter seiner Herrschaft, z.B. das Dorf Badenhausen, nunmehr unter den Durchzügen und Einquartierungen - und den damit verbundenen Gewalttätigkeiten - beider großer Kriegsparteien zu leiden hat.

1635

Während des Aufenthaltes des schottischen Obristen Michel Stuart im Amt Stauffenburg stirbt im März dessen Tochter. Sie wird in der Badenhäuser Kirche begraben.

1636

Nach einem Häuserverzeichnis gibt es in Nienstedt 10 Wohnhäuser und 9 Brandstellen, zerstörte, bzw. unbewohnbare Häuser. In Förste sind es 69 Häuser und 5 Brandstellen, in Eisdorf 26 Wohnhäuser und 32 Brandstellen. Fünf Jahre später ist in Nienstedt 1 Wohnhaus hinzugekommen, in Förste sind es 21 und in Eisdorf 9.

1637

Der in schwedischen Diensten stehende, schottische Feldmarschall Alexander Leslie fordert, von seinem Hauptquartier in Dassel aus, vom Fürstentum Grubenhagen hohe Kriegssteuern. Da diese Forderung nur zu einem Teil beglichen werden kann, schickt er die Obersten Brossard und Jobst Ludewig von Berkefeldt mit 400 Reitern und begleitender Infanterie nach Osterode, um den noch fehlenden Rest dort einzutreiben. Am 12. September treffen sie dort ein. Statt der geforderten 3.400 Taler kann die Stadt nur 2.200 zahlen und bietet dazu 3 Fässer Wein sowie 3 mit jeweils 4 Pferden bespannte Wagen an. Um auch den Rest der Forderung zu erhalten, nehmen die Schweden drei Ratsmitglieder als Geiseln. Die außerhalb der Stadtmauern gelegenen Osteroder Vororte, Marien- und Johannisvorstadt, werden - wieder einmal - geplündert und verwüstet. Nach 2 Tagen ziehen die Schweden wieder ab. Die Osteroder benachrichtigen ihren Landesherren von den Vorfällen, Herzog Friedrich in Celle. Dieser läßt umgehend verfügen, daß die noch fehlende Summe aus dem gesamten Fürstentum Grubenhagen zusammengetragen und bereitgestellt werden soll, um die Geiseln so bald wie möglich wieder zu befreien. Und so geschieht es.

1638

Zu Ostern lagert in Gittelde u.a. das Regiment von Georg Friedrich Graf von Schlick, dessen Soldaten den Bauern 28 Kühe forttreiben, bzw. schlachten. Nach dem Abzug der Truppen kommt "... eine Krankheit unter das überbleibende Vieh, gleich als eine giftige Pestilentz, daß derselben mannichen tag 3, offt 4 hinfallen, deren denn sieder Jacobi über 90 Stück außgeschleppet worden, läßt sich auch ansehn, als wenn alles Vieh, wie denn bereits etliche Stelle gantz leer gestorben, daruff gehen solle."

Nachdem Hagel und ein großes Viehsterben die Lage der Bauern im Amt Stauffenburg noch zusätzlich verschlimmert, wenden sie sich an ihren Landesfürsten, Herzog August von Braunschweig-Wolfenbüttel, mit der Bitte, "den armen, betrengten Unterthanen des gahr geringen und meist eingeäscherten Amtß Stauffenburg" die auferlegten Abgaben zu erlassen. Dieser jedoch weist den zuständigen Amtmann an, "die Widerspenstigen und Rädleinsführer ... zur verdienten Straffe zu ziehen".

Angesichts des Lebens, das sie in ihren Dörfern erwartet, beschließen einige Einwohner, ihr Zuhause zu verlassen und `das Elend zu bauen´, also davonzuziehen und zu versuchen, `in der Fremde´ ein besseres Leben in friedlicheren Verhältnissen zu finden. Junge Männer schließen sich den durchziehenden Soldaten an und ziehen `zu Krige´. Auch ziehen sich die Menschen vielfach in die Sicherheit der umliegenden Wälder zurück, wo sie vermutlich in Köten leben. Nach Aufzeichnungen des Badenhäuser Pastors Lüdekind werden dort auch Taufen und Predigten "... wegen der stetigen Streitereyen vielfältig im Harzwalde gehalten, auf einem freyen Platz ... in den großen Uifern".

Von Eisdorf, Nienstedt und Förste werden Kriegssteuern, Contributionen, verlangt. An das Amt Herzberg leistet Eisdorf einen Tribut von 32 Talern und 9 Pferden, Nienstedt 12 Taler und 3 Pferde und Förste 44 Taler und 15 Pferde.

Im Oktober wird aus Gittelde berichtet, daß der Ort 350 Artilleriepferde sowie die dazugehörigen Mannschaften verpflegen mußte, "... die außm Amt Seesen in unserm armen, verbrannten Flecken zusammengezogen, bis in die 3. Woche darin gelegen, alle Wiesen und Gärten außgefüttert, abgemeyet, die Früchte ufm Felde verdorben, die heuser verwüstet, theilß abgedecket undt den Pferden das Stroh untergestreuet, haußrat verbrannt, thüren, dische, bencke, Ofen undt Fenster alleß zerschlagen, daß also mannicher arme Mensch, der noch ein Stück Vieh behalten, nicht weiß, wo er Futter hernehmen soll, daßselbe außm Winter zu bringen."

1640

Ein Versuch, die Einwohner des Dorfes Wulften wieder dazu zu bewegen, zum katholischen Glauben überzutreten, scheitert. Seit dieser Zeit hat der zwischen Wulften und Hattorf gelegene Ort Niedernroda aufgehört zu existieren. Ver-Wüstet... Davon geblieben ist nur die "Rödermühle".

1641

Kaiserliche Truppen gewinnen im Harzvorland die Oberhand. General Melchior von Hatzfeld erobert Duderstadt von den Schweden zurück, auch Göttingen und Einbeck werden eingenommen.

In Windhausen klagt man am 18. Januar: "Es haben die vorigen Tage 2 Companien Reuter unterm Commando des Herrn Obersten Dannenberg im Heraufmarchiren ein Nachtlager bei uns 10 Persohnen genommen, die so mit uns gebähret, das alles dasjenige, was wir noch gehabt und bey den Weimarischen gleichsam aus dem Feuer gerissen, noch dabei aufgangen."

Im Morgengrauen des 9. August überfällt ein Trupp kaiserlicher Soldaten Pöhlde. Wer Widerstand leistet, wird verwundet oder getötet. Der Ort wird geplündert.

Der Badenhäuser Pastor Lüdekind notiert: "Am 25. September ... ist Hans Fedder von den Soldaten erschossen und den 26. begraben. Die Leichpredigt ist im Walde gehalten."

Osterode wird durch den bayrischen Obristen Truckmüller und seine Truppen besetzt und teilweise geplündert.

Nach einer Erzählung versuchen die Osteroder angesichts der Angreifer, durch eine besondere Geschäftigkeit auf den Wehrgängen der Stadtmauer, durch Trommeln, Pfeifen und das Abfeuern von Musketen, eine wehrhafte Söldnertruppe innerhalb der Stadt vorzutäuschen, die es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gab. Truckmüller läßt seine Geschütze auf die Stadt richten und erkennt von seiner Position auf dem Ührder Berg, daß es sich nur um wenige Verteidiger handelt. Er setzt zum Sturm an und dringt von Westen durch das Neustädter Tor in die Stadt ein. Dort hatten die Osteroder kurz davor in fieberhafter Eile alles, was auf die Anwesenheit von Söldnern hindeuten konnte, wie Instrumente, Musketen und andere Waffen, im Keller des Pulverturmes versteckt. Den eindringenden Soldaten erklären sie, die Verteidiger, die sie gesehen hätten, wären durch das Johannistor in den Harz geflohen, in der Stadt selbst würden sich nur noch Zivilisten befinden. Fast alles wird nach Söldnern durchsucht, aber niemand traut sich, mit einem Licht im Pulverturm nachzuschauen. Der Rat kann einen kaiserlichen Schutzbrief vorweisen. Truckmüller respektiert das Schreiben, mehr oder weniger. Er gibt Osterode "gnädigst" nicht zur Plünderung und Brandschatzung durch seine Truppen frei, rafft aber dennoch eine große Menge an Beute zusammen, bevor er mit seinen Truppen weiterzieht.




Blick auf Osterode (nach Merian, 1654) - Zum Vergrößern bitte anklicken



Der Berghauptmann Daniel von Campen schreibt am 22. Oktober über die Bergstadt Grund:
"Die kayserlichen Partheyen kommen itzo fast teglich über den Hartzwald, waß die Leute zur erhaltung des wenigen von der grassierenden Seuche überplieben Vieheß über haben, wird von den partheyen weggenommen und werden die Leute durch einquartierung auch nicht wenig bedrückt. Wie es der Bergstadt Grund ergangen, ... , daß nemblich dieselbe, wegen zusammengelaufener partheyen, so sich daherum aufgehalten, durchstreuffet, außgeplündert undt von derselben die fürnembsten Wohnhäuser eingeäschert worden. Die eingefallene Theuerung ist nun für die Bergstädte so hoch gewachsen, daß die meisten Einwohner das liebe Korn nicht mehr bezahlen können, undt weil die um den Hartz belegenen örtter ruinieret, bleibet dazu behufige notturft an Getreide gar zurück."

1642

Am 24. August ziehen schwedische Soldaten unter Generalmajor Hans Christoph von Königsmarck durch das Amt Stauffenburg nach Eisdorf und Osterode. Sie nehmen ihr Quartier unter anderem in der Marienvorstadt. Als am darauffolgenden Tag berichtet wird, daß ein Lasfelder einen der `Reuter´ erschossen haben soll, befiehlt von Königsmarck, "daßselbig Haus in dem gedachten Dorffe daraus dem Vorgeben nach der Schuß gefallen, in Brand zu stecken, wann auch gleich das ganze Dorff darüber in die Aschen geraten solle. Der Befehl ist in geschwindter eyl exequiret, kein Bitten hat geholfen, worüber dan 7 der besten Wohnhäuser und 3 Scheunen voll Früchte erbärmlich eingeäschert, niemand hat retten dürfen."


Karte des Amtes Osterode im 16./17. Jahrhundert


Nach zahllosen Durchmärschen und Einquartierungen verschiedenster Kriegstruppen, genannt werden Weimaraner, Franzosen und immer wieder Schweden, bitten die Einwohner von Badenhausen ihren Herzog - wieder einmal - um eine Ermäßigung der geforderten Abgaben. Sie beschreiben, wie die Bauern mit ihren Familien im Winter aus ihren Häusern vertrieben wurden, während auf den Dorfstraßen gekämpft wurde. Nachdem die Schweden gesiegt hatten, sei das Dorf `gar wüste gemacht´ worden. Auf Nachfrage des Herzogs bestätigt der Amtmann "38 wüste Stedden, davon die Häuser gantz weg sind". Auch die Sösemühle und der benachbarte Halbspännerhof, der spätere Posthof, sind abgebrannt.

Pastor Lüdekind vermerkt: "Am 18. November ... Grete Schumanns zwei Hurenkinder im Walde getauft, Elisabeth und Hans genandt."


Eine Aufstellung des Amtmannes des Amtes Stauffenburg über die bisherigen Folgen der Kriegshandlungen, was die Zerstörungen und die Einwohnerzahl in den Dörfern innerhalb seiner Zuständigkeit betrifft.


1643

Die Durchzüge dauern auch danach weiter an. Mehrfach sind es wieder schwedische Soldaten. Der Amtmann des Amtes Stauffenburg schreibt, daß er wegen vergangener "marchen und Einquartierungen in fünf Wochen" keinen einzigen Menschen im Amte habe und auch "der streyfenden Partheyen wegen sich niemand zu den Seinigen sicher wagen will". Die Bewohner der Dörfer leben in den Wäldern.

1644

In Pöhlde lagern einige Schwadronen schwedischer Reiter. Am 15. April bricht durch die Unachtsamkeit eines Marketenders ein Feuer aus, das innerhalb von 2 Stunden 64 Wohnhäuser und Scheunen vernichtet.

1645

Das Kirchenbuch von Badenhausen berichtet von zerschlagenen Fenstern und zerhauenen Türen, verwüsteten Ställen und beschädigten Brunnen. Auch die Kirche sei nicht verschont geblieben. Dach und Boden seien verbrannt, nur die Mauern hätten den Flammen getrotzt. Die `Henker des Dorfes´ seien wieder einmal die Schweden gewesen.


Die St. Martins-Kirche zu Badenhausen


1647

Zu Jahresbeginn werden in Badenhausen 27 zerstörte Häuser gezählt. In Oberhütte sind es 9, in Neuhütte 4. Sie sind `abgebrandt´, `umbgefallen´ und `die Hausstätte ganz wüste´. Auch die Ländereien und Gärten liegen `wüste´ und niemand baut etwas an. Die noch vorhandenen Häuser werden vermehrt für die Einquartierung von durchziehenden Soldaten genutzt, auch im Vorjahr sind die `schwedischen Partheyen starck gangen´.



Inschrift von 1647 zum Gedenken an den Wiederaufbau der 1626 zerstörten Katlenburger Schloßkirche


1648

Die Menschen im Amt Stauffenburg haben besonders in den letzten beiden Kriegsjahren schwer zu leiden. Berichtet wird von `dismundirten schwedischen Leuten´, also entlassenen oder desertierten Soldaten, die sich zusammenrotten und marodierend und plündernd das Land und die Bevölkerung heimsuchen. Der `Wittenbergische Durchmarsch´ und der Durchzug von vier schwedischen Regimentern führt erneut zu Zerstörungen und dazu, daß "... durch Verwahrlosung des Feuers in Badenhausen sieben Gebeude nebst der Schule abgebrandt ...", ... "... daß also die Dörfer ... gar zu grund verdorben". Die Bevölkerung ist zu einem großen Teil in den Harz geflohen und hält sich in Zellerfeld, Wildemann und Grund auf, abseits der Heerstrassen. Auch die Arbeit in den Eisenhüttenorten Oberhütte und Neuehütte ruht, so wie auch bereits 1636, 1641 und 1642, " ... wegen der schwedischen Marche und der vagierenden Völker und streifenden Partheyen und weil die Fuhrleute wegen dieser sämptlich ausgewichen sind".

24. Oktober 1648: Der "Westfälische Friede" wird geschlossen. Der Krieg ist `offiziell´ zu Ende.

Die Not der Bevölkerung noch nicht.

1618 gab es in Badenhausen einschließlich Ober- und Neuhütte 63 bis 66 "Feuerstätten", was etwa 320 bis 420 Einwohnern entspricht.

1642 hat sich ihre Zahl auf 25 reduziert, bewohnt von "20 an Manschaft" (=Familien), etwa 140 Einwohnern.

1648 sind es noch 19 Feuerstätten mit etwa 100 bis 120 Einwohnern.

1651

Noch drei Jahre nach Ende des Krieges zählt man in Gillersheim 13 verödete Höfe. In Wachenhausen sind es 8, in Duhm 5 und in Berka 28.

1656

Selbst 8 Jahre nach Kriegsende sind in Badenhausen noch über die Hälfte der Häuser zerstört, bzw. nicht wieder bewohnt.


Der Badenhäuser Lehrer und Heimatforscher Alfred Brinkmann schreibt 1940 in seinem Buch `Badenhausen in 17. Jahrhundert´:
"Bei der Aufzählung der Kriegsfolgen lassen unsere Geschichtsbücher ein Uebel unerwähnt, das im Amte Stauffenburg recht auffällig in Erscheinung tritt: Die Heimatlosigkeit der bäuerlichen Bevölkerung. Gehetzt wie das Getier des Waldes, ein halbes Menschenalter hindurch in ständiger Fluchtbereitschaft, heute hier, morgen dort, wagen sich viele Bauern auch nach dem Kriege noch nicht in ihr Dorf zurück. Sie haben den Glauben an eine Wiederkehr geordneter Zustände verloren, fürchten sich vor der Last der Kontributionen oder haben wohl auch die Lust zu geregelter Tätigkeit eingebüßt."




Quellenverzeichnis:

Internetquellen:

Buchtips:





Tränen des Vaterlandes (1636) - Andreas Gryphius (1616-1664)


Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!

Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun

Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun

Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat aufgezehret.


Die Türme stehn in Glut, die Kirch' ist umgekehret.

Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,

Die Jungfern sind geschänd't, und wo wir hin nur schaun

Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.


Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.

Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut

Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen.


Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,

Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hungersnot,

Daß auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.




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