Definition

Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes `Euthanasie´ (= `Schöner Tod´) vor der sprachlichen Pervertierung durch die Nazis (aus: Meyer´s Konversations-Lexikon, 1915)


Damit dieser `schöne Tod´ in der Bevölkerung auch für nicht-sterbenskranke Menschen als erstrebenswert oder doch zumindest akzeptabel erscheinen sollte, begann die Nazipropaganda, massiv Ängste zu schüren und behinderte Menschen als reine Kostenfaktoren darzustellen: Wieviel Gutes könnte doch für gesunde deutsche Familien getan werden, wenn nur nicht soviel Geld für `Krüppel´, `Idioten´, `Kriminelle´, `Taubstumme´, `Geisteskranke´, `Fürsorgezöglinge´, `Verbrecher´ - eben für `Minderwertige´ - ausgegeben werden müßte! Und was als `minderwertig´ galt, bestimmte die Staatsideologie:

Mordbefehl

Diese von Hitler persönlich unterzeichnete Ermächtigung, geschrieben auf seinem privaten Briefpapier, war letztendlich für alle Beteiligten die Legitimation für die nachfolgenden Morde.


Neben den ideologischen Absichten gab es auch ganz praktische Überlegungen. Das Datum des Mordbefehls: Der 1. September 1939 - gleichzeitig der Beginn der gewaltsamen Umsetzung der Welteroberungspläne der Nazis, der Beginn des zweiten Weltkrieges. Da mußten nicht nur `unnütze Esser´ beseitigt werden, auch brauchte man Platz für verwundete Soldaten - komplette ehemalige, von ihren Bewohnern nicht mehr benötigte Pflegeheime wurden zu Lazaretten umgewandelt.


Währenddessen fuhren im Land bei immer mehr Behinderteneinrichtungen die grauen Busse der SS-Tarn-Organisation GEKRAT (`Gemeinnützige Krankentransport-Organisation´) mit den zugehängten Fenstern vor, die die von extra bestellten `Gutachtern´ zur Ermordung bestimmten Heimbewohner zur Vergasung in verschiedene Tötungseinrichtungen abholten.

Busse in Eichstätt

Die Angehörigen wurden getäuscht und belogen. Verlegungen wurden nicht oder erst verspätet bekanntgegeben, Besuchswünsche verweigert, Kontakte unterbunden. Mit einer ´Lungenentzündung´ oder `Komplikationen´ bei einem medizinisch notwendigen Eingriff als Todesursache erhielten sie von ihren Kindern, Geschwistern oder Eltern dann nach einigen Wochen eine Mitteilung über deren `überraschendes Dahinscheiden´. Aus `seuchenpolizeilichen Erwägungen´ mußte die Leiche leider schnellstmöglich eingeäschert werden. Die Urne konnte auf Wunsch abgeholt oder amtlicherseits gebührenfrei ortsnah beigesetzt werden.


Nachdem 1941 die Unruhe in der Bevölkerung und auch die Proteste von Kirchenvertretern zunahmen, wurden die inzwischen mehr oder weniger offen durchgeführten Abtransporte und Tötungen offiziell eingestellt. Zumindest die Ermordung durch Vergasung. Übergangslos ging die `Euthanasie´ in ihre "wilde´ Form über, dergestalt, daß die Menschen unauffälliger, bzw. auf `natürliche´ Weise getötet wurden - durch Medikamentenüberdosierung, Gift, Unterkühlung, bewußte Vernachlässigung und durch gezielte Mangelernährung.


Eine genaue Vorstellung der Geschehnisse bekommt man, wenn man die im Quellenverzeichnis genannten Bücher von Ernst Klee liest, auf die ich hier besonders hinweisen möchte.


`Gefesselte Hände´ von Vespigniani