Der Feldzug des Maximinus Thrax und die Schlacht am Harzhorn

Vor zwei Jahren hatten es die barbarischen Alamannen gewagt, die befestigte Nordgrenze des Römischen Imperiums an Rhein und Limes zu verletzen. Kaiser Alexander Severus hatte sich daraufhin mit starken Truppen nach Mongotiacum (Mainz) an den Rhein begeben, um sich der Bedrohung entgegenzustellen. Doch den Rückhalt bei seinen Soldaten hatte er verloren, sie ermordeten ihn und wählten einen der ihren zum neuen Römischen Imperator: Maximinus, einen ehemaligen Hirten aus Thrakien. Ein großgewachsener, kräftiger Mann, kampferfahren und brutal, mutig und unbarmherzig. Der erste der sogenannten `Soldatenkaiser´.

Maximinus Thrax

Mithilfe einer Schiffbrücke überquerte er den Rhein und begann seinen Rachefeldzug gegen die Germanen. Er ließ Dörfer zerstören, versklavte die Überlebenden und plünderte das Land aus...

Schiffsbrücke, hier über die Donau...

Tief ist er in das feindliche Land eingedrungen. Seine Armee ist gewaltig. Neben den Eliteeinheiten der römischen Legionäre kämpfen auch Hilfstruppen aus den römischen Provinzen: Speerwerfer aus Nordafrika, Bogenschützen aus Syrien und Armenien, Kämpfer aus Parthien. Sie dienen als Verbündete, als Söldner, als Kriegsgefangene. Die Armee ist kampferprobt und diszipliniert. Beim Kampf gegen die Germanen haben sich besonders die leichten Bogenschützen als effektiv erwiesen, die schnell vorstoßen, zuschlagen und sich ebenso schnell wieder zurückziehen können, was mit den schwerfälligen Schlachtordnungen der Legionäre in diesem unwegsamen Land kaum möglich ist. Dafür führen diese die modernsten Waffen mit sich: Torsionsgeschütze, Katapulte. Deren Geschosse durchdringen selbst auf größere Entfernungen mit Leichtigkeit die feindlichen Schilde, an denen einfache Pfeile ansonsten nichts ausrichten, nicht einmal die mit den dreiflügeligen Spitzen der Auxiliartruppen aus Osroenien.

Marschierende Legionäre

Zu größeren Gefechten kommt es aber nur selten. Die germanischen Krieger weichen meistens aus, ziehen sich in die tiefen Wälder oder sumpfiges Gelände zurück und bekämpfen von da aus die Eindringlinge mit kurzen und schnellen Attacken. So beschränken sich die Römer auf das Niederbrennen der Dörfer und das Plündern.

Plünderung eines germanischen Dorfes, Versklavung der Einwohner

Das erbeutete Vieh steht dabei den Soldaten zu. Gefangene Dorfbewohner werden angekettet und mitgeführt.

Gefangene Germaninnen Versklavte Einwohner


Es geht allmählich auf den Winter zu. Seit Tagen regnet es. Der riesige Heereszug kommt nur langsam voran. Der Weg ist schmal, der Boden aufgeweicht. Es geht zurück. Zurück an den Rhein, in die Zivilisation. Nach Süden. Warme Unterkünfte, feste Häuser, Thermen. Und keine ständige Bedrohung mehr durch diese Barbaren. Das Schicksal der XVII., XVIII. und XIX. Legion ist bis heute nicht vergessen, obwohl das Geschehen nun schon über 200 Jahre zurückliegt. Und damals waren sie auch auf dem Heimweg ins Winterlager...


Die Spitzen des Zuges nähern sich von Norden kommend einem Taleinschnitt. Links und rechts des Weges erstreckt sich ein Sumpfgebiet, dahinter ein Höhenzug, der auf den im nebligen Dunst liegenden Harz zuläuft. Der Weg selbst steigt an, führt auf das östliche Ende eines weiteren Höhenzuges zu, der sich wie eine Barriere in den Weg zu legen scheint. Wie durch ein Nadelöhr führt der Weg, links der Sumpf, rechts der Berg...

Römischer Reisewagen

Doch es scheint alles in Ordnung zu sein. der Großteil des Heeres passiert die Stelle, zieht weiter Richtung Süden. Nun folgt der Troß. Maulesel mühen sich mit den schweren Wagen die Steigung hoch. Um besser Halt zu finden, tragen sie spezielle eiserne Hufeisen. Reisewagen folgen, aneinandergekettete Sklaven und Gefangene, dahinter die Nachhut. Und plötzlich bricht die Hölle los! Speere zischen heran, der Wald wird lebendig. Die Barbaren! Ein Hinterhalt!

Schlacht zwischen Römern und Germanen - Sarkophagdarstellung

Der erste Kampf ist nur kurz. Zu überraschend kommt der Überfall, Schon sind die germanischen Krieger heran, die schon seit gestern auf dem Kamm gelagert haben, in Erwartung der Eindringlinge. Sie stürzen sich auf die Legionäre der Nachhut, die keine Zeit und keinen Platz haben, sich zu formieren, stürzen sich auf die Troßwagen, befreien die Gefangenen und ziehen sich wieder in den Wald zurück. Doch der Kaiser und Soldat Maximinus reagiert. Schnell erfaßt er die Situation. Eile ist geboten, der Feind ist in Schlagdistanz und die Legionäre schätzt er, trotz der ersten Verluste, als überlegen ein. Einen Teil seiner Truppen, die leichtbewaffneten und damit schnellen Speerträger und Bogenschützen schickt er nach Nordwesten, um den Germanen den Fluchtweg nach Westen über den Kamm abzuschneiden. Er selbst, auf seinem Pferd sitzend, läßt seine Legionäre den Hügel von Süden durch den Wald und von der Ostseite her über den Kammweg angreifen. Die Germanen halten die besseren Positionen, sie besetzen den höheren Lagen und verteidigen sich gut gegen die anstürmenden Römer.

Angriff römischer Truppen auf eine germanische Festungsanlage

Die Römer suchen den Nahkampf, um ihre Schwerter einsetzen zu können, doch die Germanen schaffen es zunächst, sie von ihren Stellungen aus mit gut gezielten Lanzenwürfen auf Distanz zu halten. Plötzlich sirren Pfeile durch die Luft - die Bogenschützen und die übrigen Hilfstruppen tauchen am westlichen Ende des Kammes auf, attackieren einzelne Gruppen von Germanen, drängen sie an die steil nach Norden abfallende Kante des Hanges, und fallen den übrigen, die sich nach Süden und Osten verteidigen, in den Rücken.

Römisches Torsionsgeschütz

Eilig herangeschaffte Torsionsgeschütze helfen effektiv, letzte Widerstandsnester niederzukämpfen. Wer sich nicht bis zum letzen verteidigt, sucht nun sein Heil in der Flucht. Im Westen, Osten und Süden die Römer, da bleibt nur der Abhang nach Norden mit dem dahinterliegenden Sumpfgebiet, das am ehesten Rettung zu versprechen scheint. Die Römer vermeiden es üblicherweise, sich in sumpfiges Gelände zu begeben. Und tatsächlich: Die siegreichen Truppen zögern, die fliehenden Germanen in den Morast zu verfolgen.

Römischer Reitersoldat

Kaiser Maximinus nicht. Er treibt sein Pferd in den Sumpf und greift an. Bis über den Bauch sinkt es ein, doch er wendet nicht, sondern kämpft weiter. Dieses Beispiel reißt schließlich seine Soldaten mit und auch sie nehmen den Kampf wieder auf.

...eine Schlacht...

Kaum ein Germane überlebt. Das Wasser färbt sich rot ... und auch, wer sich ergibt, hat keine Gnade zu erwarten.

Germanische Gefangene werden hingerichtet


Die `Schlacht am großen Sumpf´ ist beendet, der Kampf am Harzhorn ist vorüber.



Die gezeigten Relief-Darstellungen haben ursprünglich nichts mit der Schlacht am Harzhorn zu tun. Sie stammen z.B. von der Trajan-Säule (113 n.Chr.), der Markus-Säule (180 n.Chr.) oder von Grabmälern oder künstlerischen Objekten und dienen hier nur zur Illustration.